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Das neue Schuljahr hat gestartet

Vor zwei Wochen war Schulstart bei uns im Colegio und ich bin wieder Klassenlehrerin, wie damals in Berlin.

Der Dezember war recht stressig, da hier in Peru die Vorweihnachtszeit zusammenfällt mit dem Schuljahresende. Von daher habe ich die Sommerpause sehr herbeigesehnt und unsere großen Ferien im Januar für eine Auszeit und ein wenig reisen genutzt.

Nun stecke ich mitten im neuen Schuljahr mit einer ersten Klasse: 18 Peruaner und drei Deutsche bilden eine nette Truppe. „Auch der weiteste Weg beginnt mit einem ersten Schritt…“ – diesen haben wir gemeinsam gemacht und ich bin dankbar für gute zwei Wochen.

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Die Kinder (vorne im Bild) sind neu- und wissbegierig,  kommen überwiegend mit Freude zur Schule und ich bin sehr gespannt, was wir gemeinsam erleben werden. Am ersten Schultag für die neuen Erstklässler gab es, ganz anders als in Deutschland typisch, keine Einschulungsfeier. Start für alle im Colegio war auf dem Haupthof: Singen der Hymne, Hissen der Fahne, Begrüßung durch den Direktor…

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Vergangenes Wochenende hatten wir eine Fortbildung für das Mathelehrwerk, im Titelbild seht ihr das Auf- bzw. Verteilen von Luftballons. Wir bemühen uns hier, besonders viel mit didaktischem Anschauungsmaterial zu arbeiten. Vielfach lernen peruanische Kinder nur durch Abschreiben von der Tafel und sehr lehrergelenkten Unterricht. Auch eigenständiges und logisches Denken, Fragen stellen und Verantwortung für den eigenen Lernweg zu übernehmen scheinen mir im Allgemeinen hier wenig gefördert zu werden.

Im Februar hatten wir Kollegen uns bereits für drei Wochen zur Vorbereitung des Schuljahres getroffen. Der peruanische Staat verlangt eine umfassende Dokumentation von Schulen, detaillierte Jahresplanungen, die evtl. (vermutlich?!) niemand lesen wird und die in einem Aktenordner im Schrank landen werden. Diese Arbeit mit Motivation und einer guten Herzenshaltung zu erledigen, hat mich zeitweise ordentlich herausgefordert. Sehr viel lieber hätte ich diese Tage in die konkrete Unterrichtsvorbereitung für meine Klasse gesteckt. Da die peruanische Kollegin, mit der ich die Erstklässler eigentlich im Tandem übernehmen sollte, kurzfristig abgesprungen ist, unterrichte ich nun neben Mathematik, Sport, Kunst, Musik und Englisch auch Spanisch, eine besondere Herausforderung:-). Wir konnten keine guten Bücher dafür finden, so dass nun parallel zum Unterrichten und mit toller Hilfe eines FSJlers Material erstellt und teilweise in Anlehnung an deutsche Lese-Schreibwerke entwickelt wird.

Die Arbeit ist viel, geht oft nur in kleinen Schritten voran und ich übe mich immer wieder in Geduld – mit den Kindern, aber auch mit mir selber! Danke für alle eure Beteiligung in so vielfältiger Form. Mein nächster Rundbrief per Email wird wohl noch einen Moment auf sich warten lassen. Darin dann mehr zum Schulleben unter der Sonne der Anden:-)…